Auf ein Gespräch

Die AG-Gedenken der Realschule Enger hatte an einem Mittwochvormittag einen außergewöhnlichen Gast. Der Münsteraner Historiker und Kabarettist Andreas Breiing tauchte als „Adolf Hitler“ in unserer Aula auf.

Vor dem Auftritt laBild 2022 11 15 142916986g bei den AG-Mitgliedern, unserer Schulsozialarbeiterin Frau Philipsen und unserer Schulleiterin Frau Diel eine leichte Anspannung im Raum. Als Herr Breiing in seiner Rolle die Aula betrat, war es so ruhig wie selten.

In einem 45-minütigem Monolog stellte Breiing einen Ausschnitt aus „Hitlers Tischgesprächen“ dar. Er versetzte uns in die Zeit der 40er Jahre und schaffte mit seinem Kostüm, seiner Sprache und den langsamen, steifen Bewegungen eine beklemmende Stimmung. Die SchülerInnen lernten den „Führer“ als private Person kennen. Anders als bei seinen öffentlichen Propagandaauftritten, bei denen er laut und exzentrisch war, zeigte er sich bei seinen „Tischgesprächen“ als ruhige, nachdenkliche, sinnierende Person, die „doch kolossal human“ sei. Er redete unter anderem über sein Frauenbild, das Christentum oder über seine vegetarische Lebensweise. Nachdem er die Bühne verließ, ließ er ein sehr nachdenkliches Publikum zurück, womit das erreicht wurde, was Andreas Breiing in Zusammenarbeit mit seiner Partnerin Britta von Anklang erreichen wollte. Ein vegetarischer, „kolossal humaner“ Mensch, der jedoch den Krieg als notweniges Mittel zur „Auffrischung des Blutes“ sah und letztendlich einer der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte ist.

Frau von Anklang bereitete die SchülerInnen der AG-Gedenken im Vorfeld auf das „Tischgespräch“ vor. Es wurden Begriffe erklärt, damit sie dem Stück, das auf mitstenografierten Monologen Hitlers aus seinem privaten Umfeld beruhte, bestmöglich folgen konnten. Im Anschluss an die Aufführung wurde zusammen mit Herrn Breiing eine Diskussion eingeleitet, in der die SchülerInnen ihre Eindrücke zu verschiedenen Aspekten nennen und Fragen stellen konnten. Beispielsweise danach, wie sich die Ausübung der Rolle auf den Schauspieler selbst auswirke. Herr Breiing antwortet darauf, dass er zu Beginn wochenlang Alpträume hatte. Hinzu kamen weitreichende körperliche Beschwerden, da die Person Hitler unglaublich verkrampft auftrat.

Trotzdem spielt er diese Rolle bereits seit vielen Jahren. Das Dokumentarschauspiel soll Geschichte fassbar machen und zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Denn in der aktuellen politischen Landschaft gibt es einige, die eine Sprache, wie sie in „Hitlers Tischgesprächen“ gebraucht wurde, wieder salonfähig machen wollen. Und nach diesem Vormittag sind zumindest unsere AG-TeilnehmerInnen sensibilisiert, denn so etwas darf nie wieder passieren.

Ein großes Dankeschön geht darüber hinaus an den Förderverein der Realschule Enger, der das Dokumentarschauspiel ermöglicht hat!

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