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Kraftvoll, jazzig und ganz zart |
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Blechbläserkonzert „Mit Pauken und Trompeten“ begeistert Publikum in der Engeraner Stiftskirche VON ULRIKE KINDERMANN Enger. So gewaltig klang der Auftakt, dass sich Christoph Ogawa-Müller, obwohl selbst „Antreiber“, an die einstürzenden „Mauern von Jericho“ erinnert fühlte. Die Mauern der Stiftskirche blieben unbewegt – ganz im Gegensatz zum großen Publikum, das nach dem gehaltvollen Konzert lange stehend applaudierte und zwischendurch Jubelrufe tönen ließ. Die Eröffnungsfanfare war nämlich nur ein kleiner Baustein in der Jubiläumsaufführung „Mit Pauken und Trompeten“ zum 30. Geburtstag der Musikschule Enger-Spenge.
Da bewiesen die Blechblasinstrumente ihre Eignung zum feierlich-getragenen Zusammenspiel, um sogleich dieselben musikalischen Elemente begeisternd zu verjazzen. Sie konnten auch ganz zart klingen. Oder sie wagten sich an eine zunächst etwas gewöhnungsbedürftige Version von Mozarts Kleiner Nachtmusik und zwangen die Zuhörer schließlich zu der Einsicht: „Das geht ja doch!“ Wer bis dahin immer noch kein „Fan“ der Blechbläser war, musste spätestens im letzten Teil des Konzerts zum hingebungsvollen Genießer werden, als die „Strahlemusik“ von Händel reine Freude verbreitete, abgelöst vom bewegungsreichen, modern-amerikanischen „The Hustle“ und den lateinamerikanischen Rhythmen in „Salamanca“. Natürlich können die Instrumente allein eigentlich nichts außer schön glänzen. Der Kantor und Musikschulleiter Ogawa-Müller hatte für diesen frühen Freitagabend neben dem gerade Anlauf nehmenden Kirschblütenfest eine faszinierende Mischung aus unterschiedlichsten Musikern und Gruppen zusammengeführt. Im sprichwörtlichen Titel war unter „Trompeten“ die Vielfalt der Blasinstrumente zusammengefasst; die „Pauken“ darin waren auch ganz real dabei: Sie wurden von Roman Reckling professionell bedient. Vom jüngsten, erst 7-jährigen Jona Gumbold (hinterm Notenständer nur als Beinpaar zu sehen), bis zum gut 70-jährigen Gerd Heining aus Bardüttingdorf (einem der Initiatoren der Musikschulgründung) reichte die Altersspanne. Die „Brass Teens“ aus der Bläserklasse der Engeraner Realschule spielten unter der Leitung von Bernd Saure ein lebhaftes kleines Repertoire. Leider mussten die geplanten Beiträge der Bläserklasse des Gymnasiums ausfallen, weil Lehrer Klaus Brandmeier krank geworden war. Jugendliche aus mehreren Jahrgängen bilden die Mini- und Midigruppe der Musikschule. Sie waren mit Kompositionen von Erik Mankell und Reinhard Gramm im Spiel und zeigten neben ihrem beachtlichen Können amüsant krasse Gegensätze in der Körpergröße. Eine längere Tradition hat das Bläserensemble Enger-Spenge. Diese Gruppierung hatte Mozart und Haydn mitgebracht, während der letzte Programmteil vor dem Finale den „Profis“ gehörte. Die bestanden aus Lehrern der Musikschule, anderen Lehrern, einem Stipendiaten aus Nicaragua und zwei erfolgreichen Profi-Trompetern, die die lokale Musikschule selbst hervorgebracht hat: Rainer Petrasch und Akio Ogawa-Müller. Zum Finale fanden sich alle in einem für Bläser arrangierten Choral zusammen und stellten damit noch einmal die Verbindung zwischen Schauplatz und Anlass der Veranstaltung her. „Hervorragend. Solche Qualität hatten wir bei den Bläsern in Enger bisher selten“, lobte Angela Franke das Konzert. Auch Hartmut Wulfmeier fand nur Superlative: „Phantastisch! Ganz große klasse!“ Christoph Ogawa-Müller wirkte schon während der Veranstaltung lebhaft und vergnügt und verriet danach: „Die haben alle bei den Proben begeistert gespielt – da wusste ich, dass das gut wird.“ Das Programm bewies neben hoher Qualität auch, dass man um den Bläsernachwuchs in Enger-Spenge keine Angst haben muss. Die Musikschule ist nicht nur alt geworden, sondern zeigte sich gleichzeitig jung und lebendig, indem sie unter anderem ihren Unterricht auch in die allgemeinbildenden Schulen trägt.
© 2009 Neue Westfälische Tageblatt für Enger und Spenge, Montag 27. April 2009 |