Wie Schüler tatkräftig mithelfen, ihre Klassenräume sauber zu halten
VON MARTINA PANCHYRZ
Enger/Spenge. Müll in den Ecken, verdreckte Fußböden und Fenster. Kein seltenes Bild in Schulen. Reinigungskräfte können in der ihnen vorgegebenen Zeit nicht den gesamten Dreck beseitigen. In Hildesheim sollen Schüler ihre Klassenräume künftig sogar selber putzen. Solche Maßnahmen wurden an den Schulen in Enger und Spenge noch nicht getroffen, doch auch hier lässt die Sauberkeit zu wünschen übrig.
„Die Fenster werden bei uns nur alle zwei Jahre gereinigt.“ Joachim Blombach, Schulleiter der Realschule Enger ist mit der Reinigung seiner Schule nicht gerade zufrieden. „Das ist ein Unding. Ich frage mich, ob die Fenster im Rathaus auch nur alle zwei Jahre geputzt werden.“ Der Schulleiter hat das Problem bei der Stadt kommuniziert – jedoch bisher ohne Erfolg.

Die Klassenräume werden, wie in den meisten anderen Schulen, alle zwei Tage gereinigt, die Sanitärbereiche jeden Tag. Zusätzlich versuchen die Schulen ihre Schüler zu Ordnung anzuhalten und sie in Putzaktionen einzubinden. „Sauberkeit ist immer wieder ein Thema bei uns“, erklärt Joachim Blombach. Um das Gelände sauber zu halten, wird ab und an selbst mit angepackt. „Lehrer, Schüler und Eltern haben schon mit Mülltüten bepackt in einer großen Pause den gesamten Schulhof vom Dreck befreit.“
Auch andere Schulen entwickeln Strategien, um ihre Räumlichkeiten sauber zu halten. Am Widukind-Gymnasium in Enger fegen die Kinder ihren Klassenraum jeden Tag. In der Mensa des Gymnasiums sorgt ein Ordnungsdienst dafür, dass die Tische abgeräumt werden und kein Müll liegenbleibt. „Die Kinder lernen dadurch, dass sie ihren Dreck selbst beseitigen müssen“, erklärt Schulleiterin Brigitte Binke-Orth. Doch Reinigungskräfte und Schüler kommen nicht gegen den Dreck an. „Ganz zufrieden sind wir selbstverständlich nicht. Die Flure sind immer schnell schmutzig, die Fenster sind einmal vier Jahre lang nicht geputzt worden, aber man kann eine Schule auch nicht mit einem Privathaushalt vergleichen.“
Damit die Schulräume sauberer werden hat Schulpflegschaftsvorsitzende Frauke Busch den Wettbewerb um den „Goldenen Besen“ für die sauberste Klasse ins Leben gerufen. Als Preis winkt ein Eisgutschein. „Wir wollen, dass die Kinder ein bisschen mehr auf Sauberkeit achten“, erklärt die Mutter.
In der Grundschule Hücker-Aschen in Spenge behilft man sich mit Hausschuhen in den Klassen. „Die Straßenschuhe bleiben vor der Tür, so kommt weniger Dreck in das Klassenzimmer. Das ist schon eine große Hilfe“, erklärt Rektorin Undine Rückbrodt-Heidemann.
Das Problem der ungenügenden Reinigung liegt für die Schulleiterin am engen Zeitplan der Putzfirmen. „Die Reinigungskräfte geben ihr Bestes, aber sie haben einfach zu wenig Zeit für gründliches Putzen.“
Die Firmen haben für die Reinigung von 165 Quadratmetern eine Stunde lang Zeit. Bei größeren Flächen, die mit Maschinen gereinigt werden können, müssen die Firmen 600 Quadratmeter in einer Stunde sauber bekommen. Vom Gefühl her glaubt die Rektorin, dass die Schule heute weniger gereinigt wird als früher.
Karsten Heidbrink, zuständig für den Personalbereich der Stadt Spenge, erklärt, dass der Standard seit Jahren gleich geblieben ist. „Wir arbeiten immer mehr mit privaten Firmen, doch das Leistungspaket hat sich nicht verändert.“ Die Reinigung an den Schulen hält der Stadtangestellte für zufriedenstellend. „Wir kriegen selten negative Rückmeldungen.“
Wilhelm Freese von der Stadt Enger betont ebenfalls, dass die Behörden ihr Bestes für eine gründliche Reinigung tun. „Der Reinigungsaufwand ist nicht weniger geworden.“
Einige Schulen haben auch Verständnis, dass nicht mehr Gelder in die Reinigung investiert werden „ Die Stadt muss ja auch sparen“, weiß Schulleiterin Brigitte Binke-Orth.
© 2009 Neue Westfälische Tageblatt für Enger und Spenge, Montag 16. März 2009 |